Impressionen der Praktikumsarbeiten

In den Labor-Räumlichkeiten von Argolite arbeitet René Odermatt an seiner Praktikums - Gewinnerarbeit "Argoleon / Argoheat"

Argolite Innovationswettbewerb 2015

Sieger: „Argolight“ von Tobias Stump und Nando Wespi

2. Rang: "Argofuse“ von Florian Wachter
3. Rang: „Argobend“ von René Odermatt
Praktikum bei Argolite AG:
„Argoleon“ (oder „Argoheat“)  ebenfalls von René Odermatt

Jurybericht vom Argolite Innovationswettbewerb 2015

von Roland Merz, Chefredakteur Modulør, dipl. Arch. ETH

„Unsichtbare Innovation“

Zum zweiten Mal hat Argolite, der Schweizer Experte für HPL-Platten, einen Innovationswettbewerb ausgeschrieben. Gesucht waren neue Lösungen für die Verarbeitung, Herstellung oder Anwendung von dekorativen Schichtholzplatten. In angeregten Diskussionen hat die namhafte Jury die ersten drei Plätze gekürt. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Swissbau 2016 statt.

Im Alltag stösst man immer wieder auf HPL-Platten, auch wenn man sich dessen gar nicht bewusst ist. Ob Kegelbahn, Büroschreibtisch, Küchenarbeitsplatte, Badezimmerschrank, Tür, Werbetafel oder witterungsbeständige Fassade – sie alle werden aus dem Werkstoff gefertigt, der überzeugende ökologische, mechanische und gestalterische Eigenschaften vereint und dadurch viele Anwendungsmöglichkeiten für Räume, Möbel und Fassaden bietet. Seit über 50 Jahren hat sich das Willisauer Familienunternehmen Argolite diesem spannenden Nischenprodukt verschrieben. Im Produktionswerk werden HPL-Schichtstoffplatten mit einem hohen Qualitätsstandard entwickelt, hergestellt und vertrieben, wobei ein aussergewöhnliches Spektrum angeboten wird: Die Kunden können aus über 400 Dekoren und 148 Farben wählen. Das Unternehmen will verstärkt Architekten und Planern eine Platform bieten, ihre Ideen in einem direkten Austausch mit Argolite umzusetzen. Im eigenen Werk in Willisau, wo 75 Mitarbeiter in noch erstaunlich vielen handwerklichen Schritten mit Herzblut arbeiten, können Spezialwünsche schnell und flexibel umgesetzt werden. Auch die Produktion einzelner Platte ist möglich.

 

Grenzen ausloten

Eine Spezialität von Argolite ist die Entwicklung von neuen Produkten. Diese wird durch die Durchführung von Innovationswettbewerben weiter gefördert. „Immer wieder hinterfragen wir unser Produkt, unsere Arbeitsweise. Doch dies ist eine begrenzte, interne Sichtweise. Deshalb suchen wir stets das Gespräch mit Architekten und Designern, um neue Perspektiven zu erhalten. Mit dem Wettbewerb wollen wir unsere Innovationskraft schärfen. Der Wettbewerb bringt frische Gedanken von jungen Menschen – für uns ein wichtiger Wissensgewinn!“, beschreibt Markus Höchli, Geschäftsführer Argolite. Bereits 2013 lud der führende Spezialist in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule (BFH, Architektur Holz und Bau) Studenten aus den Studienbereichen Architektur, Innenarchitektur, bildende Künste und Materialwissenschaften dazu ein, nach neuen spannenden Lösungen für den vielseitigen Werkstoff zu suchen. Zwei Jahre später wurde der Wettbewerb nun ein zweites Mal durchgeführt. An einem Workshop im Oktober des letzten Jahres konnten die Teilnehmer in die Welt der HPL-Schichtstoffplatten eintauchen, um dem Geheimnis des Materials auf die Spur zu kommen. Nach einer Präsentation zu den theoretischen Grundlagen von HPL-Platten und einer Produktionsführung konnten die Studenten im Labor zudem erste praktische Erfahrungen sammeln.

 

Hochkarätige Jury

Anfang Dezember erfolgte die Jurierung der eingereichten Projekte. Neben dem Geschäftsführer von Argolite Markus Höchli setzt sich die Jury aus der Innenarchitektin Iria Degen, dem Architekten Beat Gafner von Itten Brechbühl und dem angesagten Designer Alfredo Häberli zusammen. Die vierköpfige Jury war nach einer kurzen Präsentation des Materials von dessen Vielseitigkeit begeistert, sprach aber auch von einem Imageproblem, dass HPL, früher Kunstharzplatten, hat. „Mit dem Wettbewerb wollen wir die Innovationskraft des Materials verstärkt in die Öffentlichkeit tragen“, entgegnet Markus Höchli. In einem ersten Rundgang haben die vier Juroren die verschiedenen Arbeiten einzeln studiert und waren dabei überrascht vom hohen Niveau der Arbeiten. „Die Prototypen sind nicht in der Idee stehengeblieben, sondern wurden bereits auf ein gutes Niveau weiterentwickelt“, sagt Alfredo Häberli. In einer zweiten Runde schliesslich nahm die Jury die Diskussion auf, setzte erst die Bewertungskriterien wie Innovationskraft, Präsentation sowie Realisierbarkeit fest und diskutierte intensiv über die Arbeiten. In einem anregenden Austausch fanden die vier Fachkräfte schnell einen Nenner.

 

Drei Preise vergeben

Sieger ist das Projekt „Argolight“ von Tobias Stump und Nando Wespi. Die Jury sprach von einer unsichtbaren Innovation, die überzeugend präsentiert wurde: „Mit einfachen Mitteln – der Zugabe eines Layers auf Naturbasis (Flachsfasern) – konnte die Stabilität der Platte signifikant verbessert werden. Dieser unsichtbare Mehrwert ist äusserst nachhaltig und passt ausgezeichnet zu Argolite.“ Die silberne Auszeichung erhielt das Projekt „Argofuse“ von Florian Wachter. Den Ansatz, dass vom Mensch selber produzierte Energie, ohne das er dies wahrnimmt, in Strom umgewandelt wird, bewertete die Jury als höchst interessant. „Das Material wurde quasi intelligenter gemacht, um einen neuen Nutzen abschöpfen zu können“, beschreibt die Jury. Bei der technischen Umsetzung setzen die Fachleute aber ein grosses Fragezeichen. Und schliesslich auf dem dritten Rang landete das Projekt „Argobent“ von René Odermatt. Die Jury sprach von einer griffigen, gestalterisch spannenden Idee, die in dieser Art umgehend in die Wirklichkeit umgesetzt werden könnte. „Mit einem einfachen Eingriff erleben die HPL-Platten eine Art Transformation, das eigentlich steife Material wird weich und beweglich“, beschreibt Iria Degen ihren Gedanken. Für die Jury erhält das Material plötzlich eine gewisse Leichtigkeit und Transparenz. Durch dieses gezielte Einschneiden könnten für Argolite neue Anwendungsmöglichkeiten entstehen. „Was einerseits als neue positive Eigenschaft heraussticht, kann aber auch negativ bewertet werden“,warnt Markus Höchli. „Durch diesen ästhetisch sicherlich schönen Eingriff werden die Eigenschaften von HPL bei den Bruchstellen verändert und so verlieren die Platten auch einen Teil ihrer einzigartigen Stärke und Widerstandskraft.“ Am 13. Januar anlässlich der Swissbau in Basel werden in der Focus Arena die drei erstplatzierten Projekte gekürt. Die Sieger teilen sich die Preissumme von 12'000 Franken. Enorm wichtig für die Jury und auch für Argolite selber ist, dass die Siegerprojekte unbedingt weiterentwickelt werden sollen. Damit dieses Wissen weitergereicht wird und noch mehr an Stärke gewinnt. Neben dem Preisgeld vergibt Argolite ein einjähriges Teilzeitpraktikum, während diesem an der konkreten Umsetzung des jeweiligen Projekts getüftelt werden kann. Eine einzigartige Chance für den Gestalter wie auch für das Unternehmen selber!


Sieger

Projekt „Argolight“ von Tobias Stump und Nando Wespi

Doppelte Belastung, gleiche Biegung - Durch die Zugabe von unidirektionalen Flachsfasern ist das Werkstück in der Horizontalen doppelt so stark belastbar, da das langfaserige Gelege die Kräfte aufnimmt. Im Modell wurden die Fasern jeweils zwischen Kunstharz und Trägerplatte gelegt und gepresst. Für eine kommerzielle Umsetzung sollen die günstigen Naturfasern direkt in der Kunstharzplatte mitgepresst werden.

2. Rang
Projekt „Argofuse“
von Florian Wachter

Argofuse ist ein Laminat, das unter Druck Elektrizität erzeugt. Verpresst man piezoelektrische Kristalle ins Laminat, können diese unter Druck einen minimen elektrischen Strom abgeben (im Projekt sichtbar gemacht durch den LED-Streifen). Dies kann einfach für Visualisierungen oder als Sensoren verwendet werden. Obwohl die Leistung eines einzelnen Kristalls klein ist, kann man mit 1000 verbundenen Kristallen, verpresst in Bodenplatten, reichlich Energie erzeugen. Beispielsweise am Hauptbahnhof Zürich kann damit ein kleines Minikraftwerk betrieben werden.

3. Rang
Projekt „Argobend“
von René Odermatt

„Argobend“ macht das Laminat zum Textil. Die angewendete Technik ist in der Holzverarbeitung weit verbreitet. Wie das Beispiel zeigt, kann sie aber auch für die Nachbearbeitung von Laminaten adaptiert werden. Durch gezieltes Einschneiden gewinnen die sonst starren Platten an Beweglichkeit. Das eröffnet völlig neue Anwendungsbereiche für das Material. Die Einschnitte können zudem raffiniert als ästhetisches Detail mit Wiedererkennungswert eingesetzt werden. Für das Beispiel hat man ein Laserschneidegerät verwendet. Für die industrielle Bearbeitung wird jedoch ein Wasserstrahlschneidgerät empfohlen. „Argobend“ erschliesst neue Bereiche in Architektur und Design.


Weitere Projekte

Projekt „Argolight“ von Mario Rütimann

Mit „Argolight“ wird jedes Laminat zur Leuchte. Eine verpresste PET-Platte dient als Lichtleiter für die seitlich angebrachten LED-Streifen. Möchte man beispielsweise ein Logo noch speziell hervorheben kann die PET-Platte zuästzlich angeraut werden. Das Licht bricht an diesen Stellen stärker und wird dadurch besser sichtbar. Beim erwähnten Beispiel hat man die Platte ein wenig zu fest angeraut, so dass ein grosser Teil des Lichts verpufft.


Projekt „Argosun“
von Mario Rüttimann

„Argosun“ ist ein Laminat, das auf Licht reagiert. Sobald es Sonnenlicht, speziell UV-Strahlen ausgesetzt wird, verfärbt es sich blau. Der Prozess ist reversibel. Das heisst: Nimmt das Licht wieder ab, wird es wieder weiss. Eine „Argosun“-Fassade nimmt so Teile der Aussenwelt auf und ermöglicht einem Gebäude eine spannende Interaktion mit seiner Umgebung. Das Musterbeispiel zeigt, wie der Effekt funktioniert: Unterhalb des durchsichtigen Overlays ist ein mit photochromer Farbe beschichtetes Papier verpresst. Dieses reagiert mit UV-Licht und ändert unter dessen Einfluss die Farbe von weiss zu blau. Werden bestimmte Flächen verdeckt, bleiben diese weiss und zeichnen den Umriss des Objektes ab.


Projekt „Argoleon“ (oder „Argoheat“)
von René Odermatt

„Argoleon“ ist das erste Laminat, das gezielt seine Farbe ändern kann. Der Effekt wird durch eine elektrische Heizfolie in Kombination mit thermochromer Farbe erzielt. Dank dem verpressten Aluminium oberhalb der Heizfolie wird die Wärme optimal auf die Fläche verteilt und die Struktur des  Heizelements ist auf der Farbe nicht mehr sichtbar. Anstelle einer zweiten Farbe (in diesem Beispiel das Weiss, das unter der schwarzen Farbe erscheint) können auch gedruckte Motive erscheinen. Die Heizfolien können Dank ihrer geringen Dicke (0.3 mm) einfach in Laminate verpresst werden. Sie sind zudem auf dem Markt gut erhältlich und lassen sich einfach und individuell zuschneiden.


Projekt „Argomix“
von Florian Wachter

„Argomix“ beinhaltet vier Samples, die während des Arbeitsprozesses entstanden sind. Alle vier Platten sind leicht umsetzbar und bestechen durch ihre Materialität oder Oberflächenstruktur.


„Argoil“ (gelbliche Struktur auf schwarz)

Thermopapier ist bekannt von Kaufquittungen in Supermärkten. Es ist mit einem speziellen Polymer beschichtet, das sich von weiss auf schwarz verfärbt, sobald es erhitzt wird (irreversibel). Kommt es davor mit Öl in Kontakt, blockiert dieses den Farbwandel und die berührten Stellen werden transparent. Im vorliegenden Sample hat man ein mit Öl bespraytes Thermopapier verpresst. Die Hitze der Presse löste den Farbwandel aus. Um den ästhetischen Effekt noch zu untermalen haben wir unter das mit Öl besprayte Thermopapier ein knalliges grünes Papier verpresst An den beträufelten Stellen scheint nun die grüne Farbe durch.

 

„Argofoil“ (schwarz glänzende Oberfläche)

Gebogenes und danach gefaltetetes Blech als Oberflächenstruktur verpresst. Das Blech ist nicht Teil des Laminats. Es dient einzig dazu diesem eine spannende Haptik zu geben.

 

„Argogami“ (diffuse Linien auf schwarzer, milchiger Fläche)

Ein Papier wird willkürlich gefaltet. Danach wird es wieder aufgefaltet und Flach in ein Laminat verpresst. Dies führt dazu, dass ein Streifenmuster die Oberfläche ziert.

 

„Argofog“ (graue, nebelartige Fläche auf schwarz)

Reines Thermopapier, ohne Öl.

 

Jury Innovationswettbewerb 2015

Markus Höchli, Geschäftsführer Argolite

Alfredo Häberli, Industriedesigner mit eigenem Studio in Zürich

(Alfredo Häberli Design Development)

Iria Degen, Innenarchitektin und Designerin, Iria Degen Interiors in Zürich und Paris

Beat Gafner, Betriebsökonom SGMI, Mitglied der Geschäfsleitung Itten Brechbühl Architekten
 

Der Werkstoff HPL

HPS (hig pressure laminate) ist ein hochwertiges Material, das sich aus Lgen von Zellstofffasern (gewöhnlich Papier), die mit duroplastischen Harzen getränkt und unter hohem Druck zusammengepresst werden, zusammensetzt. Dekorative Schichtstoffplatten bestehen zu mehr als 60 Prozent aus Papier und zu 30 bis 40 Prozent aus gehärtetem Phenol-Formaldehyd-Harz für den Kern und Melamim-Formaldehy-Harz für die Oberflächenlagen. Sie sind in verschiedenen Formaten, Dicken udn Oberflächenausführungen verfügbar. Der Baustoff zeichnet sich unter anderem durch seine Widerstandsfähigkeit gegen unterschiedlichste Abnützung und seine Langlebigkeit aus. Zudem ist er emissionsfrei und gut rezyklierbar.

Preisverleihung Argolite Innovationswettbewerb 2015

Im Rahmen der Swissbau 2016 wurden die drei Siegerpreise sowie das Gewinnerpreis des Praktikums des Innovationswettbewerbes 2015 verliehen.

Der Argolite Innovationswettbewerb bietet die Chance, das Talent der jugendlichen Teilnehmer und das Potential des Materials HPL in einem professionellen und praxisbezogenen KMU-Umfeld umzusetzen. Im Rahmen des Swissbau Focus fand die Preisverleihung statt.

Am Mittwoch, 13. Januar 2016 um 13.30 Uhr führte Argolite Geschäftsführer und vorstehender der Jury Markus Höchli im Swissbau Focus Bereich gekonnt durch die Preisverleihung. Im feierlichen Rahmen durften sich die Gewinner mit ihren Arbeiten der Öffentlichkeit präsentieren. Auf der Bühne durften die Gewinner zusammen mit Alfredo Häberli Interviews führen, und auch am anschliessenden Apéro war der Austausch mit den Jurymitgliedern und den Anwesenden der Branche wertvoll. „Eine super tolle Erfahrung“, „sehr schöne Plattform“ oder „super Gelegenheit, mit der Jury und den anderen Teilnehmern nochmals über den Wettbewerb zu sprechen“ waren einige der Reaktionen der Teilnehmer. Im Interview mit Alfredo Häberli und den Gewinnern zeigte sich auch, dass die Argolite AG mit dem Innovationswettbewerb auf offene Ohren stösst, da sich die in der Ausbildung befindenden Teilnehmer in einem ihrem Ausbildungsgrad entsprechenden Wettbewerb messen können.

Besonders erfreulich war die Zusammensetzung der diesjährigen Jury. Neben der Design-Koryphäe Alfredo Häberli gesellten sich die bekannte Innendesignerin Iria Degen und Architekt Beat Gafner hinzu, wie auch Argolite Geschäftsführer und Inhaber Markus Höchli. Unterstützt wurde der Wettbewerb von Charles Job, Professor an der BFH Bern.

Die Sieger

Den ersten Rang erreichten Tobias Stump & Nando Wespi mit ihrem Projekt „Argolight“. Doppelte Belastung, gleiche Biegung - Durch die Zugabe von unidirektionalen Flachsfasern ist das Werkstück in der Horizontalen doppelt so stark belastbar, da das langfaserige Gelege die Kräfte aufnimmt. Im Modell wurden die Fasern jeweils zwischen Kunstharz und Trägerplatte gelegt und gepresst. Für eine kommerzielle Umsetzung sollen die günstigen Naturfasern direkt in der Kunstharzplatte mitgepresst werden.

Im zweiten Rang steht das Projekt „Argofuse“ von Florian Wachter: Argofuse ist ein Laminat, das unter Druck Elektrizität erzeugt. Verpresst man piezoelektrische Kristalle ins Laminat, können diese unter Druck einen minimen elektrischen Strom abgeben (im Projekt sichtbar gemacht durch den LED-Streifen). Dies kann einfach für Visualisierungen oder als Sensoren verwendet werden. Obwohl die Leistung eines einzelnen Kristalls klein ist, kann man mit 1000 verbundenen Kristallen, verpresst in Bodenplatten, reichlich Energie erzeugen. Beispielsweise am Hauptbahnhof Zürich kann damit ein kleines Minikraftwerk betrieben werden.

Drittes Projekt „Argobend“ von René Odermatt: „Argobend“ macht das Laminat zum Textil. Die angewendete Technik ist in der Holzverarbeitung weit verbreitet. Wie das Beispiel zeigt, kann sie aber auch für die Nachbearbeitung von Laminaten adaptiert werden. Durch gezieltes Einschneiden gewinnen die sonst starren Platten an Beweglichkeit. Das eröffnet völlig neue Anwendungsbereiche für das Material. Die Einschnitte können zudem raffiniert als ästhetisches Detail mit Wiedererkennungswert eingesetzt werden. Für das Beispiel hat man ein Laserschneidegerät verwendet. Für die industrielle Bearbeitung wird jedoch ein Wasserstrahlschneidgerät empfohlen. „Argobend“ erschliesst neue Bereiche in Architektur und Design.

Ebenfalls von René Odermatt ist das Projekt „Argoleon“ oder „Argoheat“, welches das Teilzeit-Praktikum bei der Firma Argolite gewonnen hat. „Argoleon“ ist ein Laminat, das gezielt seine Farbe ändern kann. Der Effekt wird durch eine elektrische Heizfolie in Kombination mit thermochromer Farbe erzielt. Dank dem verpressten Aluminium oberhalb der Heizfolie wird die Wärme optimal auf die Fläche verteilt und die Struktur des  Heizelements ist auf der Farbe nicht mehr sichtbar. Anstelle einer zweiten Farbe (in diesem Beispiel das Weiss, das unter der schwarzen Farbe erscheint) können auch gedruckte Motive erscheinen. Die Heizfolien können Dank ihrer geringen Dicke (0.3 mm) einfach in Laminate verpresst werden. Sie sind zudem auf dem Markt gut erhältlich und lassen sich einfach und individuell zuschneiden.

Jury